Promotionsprojekt
»Die staatskritische Konstellation. Eine Problemgeschichte der progressiven Demokratietheorie«
Technische Universität Darmstadt | Abgeschlossen 2026 | bewertet mit summa cum laude
In meiner Dissertation untersuche ich die Entwicklung der Staatskritik innerhalb der progressiven Demokratietheorie seit den 1970er Jahren. Im Zentrum steht die These, dass sich in den maßgeblichen Strömungen des progressiven Denkens – der radikalen Demokratietheorie, der Machttheorie sowie der deliberativen Demokratietheorie – eine gemeinsame staatskritische Perspektive herausgebildet hat. Diese Perspektive versteht staatliche Institutionen als Begrenzung demokratischer Freiheit und Emanzipation.
Anhand der politischen Theorie von Claude Lefort, Michel Foucault und Jürgen Habermas rekonstruiert die Arbeit die Entstehung dieser staatskritischen Konstellation und problematisiert ihre Prägung des progressiven Denkens bis in die Gegenwart. Die Arbeit argumentiert, dass diese staatskritische Perspektive zu einer Vernachlässigung der demokratischen Funktionen politischer Institutionen geführt hat. Mit dem Siegeszug der staatskritischen Konstellation gerieten Fragen der politischen Institutionalisierung, der kollektiven Handlungsfähigkeit und der demokratischen Staatlichkeit zunehmend aus dem Blick.
Meine weiteren Forschungsinteressen konzentrieren sich auf drei Themenfelder:
Demokratie(-theorie) und Staatlichkeit
Ein Schwerpunkt meiner Forschung liegt auf den normativen Grundlagen demokratischer Ordnung. Mich interessieren die Prinzipien, auf denen demokratische Herrschaft beruht, die Voraussetzungen demokratischer Selbstregierung sowie die Herausforderungen, vor denen liberale Demokratien im 21. Jahrhundert stehen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie demokratische Institutionen und Verfahren unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen legitimiert und weiterentwickelt werden können.
Liberalismus und Postliberalismus
Ein zweiter Schwerpunkt gilt der Entwicklung und gegenwärtigen Transformation liberalen politischen Denkens. Ich untersuche sowohl die inneren Spannungen des Liberalismus als auch zeitgenössische postliberale Positionen und ihre Kritik an den politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Grundlagen liberaler Demokratien. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich das Verhältnis von Demokratie und Liberalismus theoretisch bestimmen lässt und welche Konsequenzen aktuelle Debatten für das Verständnis der liberaldemokratischen Ordnung haben.
Politische Ideengeschichte
Ein drittes Forschungsfeld bildet die Geschichte des politischen Denkens. Ich verstehe Ideengeschichte als einen Zugang, gegenwärtige politische und theoretische Probleme historisch zu erschließen. Durch die Rekonstruktion politischer Begriffe, Argumente und Denktraditionen möchte ich dazu beitragen, aktuelle Debatten der Politischen Theorie besser zu verstehen und alternative Perspektiven auf demokratische Politik sichtbar zu machen.